Personal Challenges, Relationship

Sei kein Chamäleon.

Note to Self: In der Lage zu sein, dich an unterschiedlichste Situationen und Menschen anzupassen ist großartig. Noch beeindruckender ist es jedoch, sich zu trauen, du selbst zu bleiben, ganz unabhängig davon, was passiert oder wer dir gegenüber steht. Aber was ist dieses „du selbst“ eigentlich?

Die Ausgangssituation ist wie folgt:
Ich bin 33 Jahre alt, komme ursprünglich aus der Ukraine und bin seit ich 8 Jahre alt bin hier in Deutschland, vor Kurzem habe ich 4 Jahre lang in London gelebt und gearbeitet, was quasi bedeutet, dass ich zwei Immigrationen hinter mir habe (eine unfreiwillige und eine aus eigenen Stücken). Meine Eltern sind einfache Menschen aus dem Mittelstand. Sie sind Akademiker, die sich jedoch in ein Land begaben, dessen Sprache sie bis heute nicht vollends beherrschen. Gleichzeitig sind sie Künstler, deren Arbeit zum Teil auch sozialer Natur ist.

Ich war ein Kind das mit 5 Jahren lesen konnte und die Schule liebte – na ja zumindest bis zur 7. Klasse, wo ich dann cool sein musste um endlich Freunde zu finden. Ich hatte in meinem Leben so ziemlich jedes Hobby – Lateinamerikanischer Turniertanz, Salsa, Zumba & Ballett, Theater, Singen, Basketball, Malen, Tae Kwon Doe, Boxen, Schwimmen, Eiskunstlauf, Kreatives Schreiben, Fitness, Klavier & Gitarre und so ziemlich alles, was man sich sonst noch vorstellen kann.

Ich habe bereits eine Menge erlebt, würde ich mal behaupten; ich bin in unterschiedlichste Länder (vielleicht so an die 30) gereist und habe dort einiges an Abenteuern hinter mich gebracht mit Menschen verschiedenster Altersgruppen, diverser Kulturen und Religionen.

Meine Freunde, die sich mittlerweile so ziemlich auf dem gesamten Globus verteilt haben, sowie meine verflossenen Lieben und ehemalige Partner stammen so ziemlich aus allen Kulturen dieser Welt. Mensch ist Mensch, und meiner Meinung nach je farbenfroher und gemixter desto besser. Ich spreche Deutsch, Englisch, Russisch und Italienisch fließend, verstehe Spanisch, Französisch, Ukrainisch und kann Worte und Sätze in Iranisch, Türkisch, Arabisch…

Ich habe mir meine Freunde und meine Partner nicht nach dem Gehalt ihrer Eltern  oder der Größe ihrer eigenen Brieftasche ausgesucht. Und ich muss sagen auch nicht nach ihrem Gesellschaftsstand oder ihrer „Klasse“. So war ich sowohl mit einem absoluten Genie zusammen, der meherere Universitätabschlüsse hat und jetzt eine riesige Business Analytics Abteilung leitet und wahrscheinlich 100.000 Euro verdient, als auch mit einem Hauptschüler, der jetzt bestenfalls Chefkellner in einem italienischen Durchschnittsrestaurant ist. Meine große Liebe hatte Abitur und jobbte damals bei Media Markt. Die Familien meiner Männer hätten nicht unterschiedlicher sein können. Vom Alter her gab es ebenfalls von 5 Jahre jünger bis 5 Jahre älter usw., ich habe halt einfach stets auf den Menschen geachtet und nicht auf die Stats drumherum. Auch meine Freunde sind so ziemlich alles, was man sich so vorstellen kann…Architekten, Projektleiter, Unternehmensberater, Hausfrauen und Mütter, Lehrer, Unternehmer, Ärzte, Künstler, Sozialarbeiter, Studenten oder auch mal Hartz V Empfänger mit Einkommen von 20.000 bis 100.000 Euro jährlich.

Ich bin ursprünglich Christlich Orthodox, meine Eltern arbeiten jedoch in einer Evangelischen Kirche, die Eltern von meinem Vater sind Katholisch, ich bin mit russischen Juden und Moslems aufgewachsen. Ich kenne Koscher und Halal, kann Sunniten, Schiiten, Aleviten unterscheiden und habe Freunde jeder dieser drei Glaubensrichtungen des Islams. Meine eigene Beziehung zu Religion ist recht frei und offen, ich glaube an Gott, an das Universum, an die Weisheit jeder der Religionen und gleichzeitig stehe ich organisierter Religion kritisch gegenüber. Buddhismus ist ziemlich cool, sicherlich eine Religion von der man sich einiges abgucken könnte.

Ich habe an einem konservativen Charlottenburger Gymnasium mein Abitur gemacht, aber die meinsten meiner Freunde gingen ab auf das OSZ. Ich habe lange Zeit in Moabit und Kreuzberg gelebt, mit Leuten vom Halleschen Tor abgehangen, habe wie eine Tussi geredet und mich angezogen, während ich mit 19 jedes Wochenende im Havanna feiern war.

Ich habe an einer privaten Universität Kommunikationsmanagement studiert, wo einige der Kids von deutschen und internationalen Internaten kamen. Sie haben mich ab und zu mal liebevoll Ghettokeule genannt, während meine Freunde mich auslachten, weil ich mir von meinen Kommilitonen („den Zugezogenen“) mehr und mehr den Stuttgarter Dialekt abguckte.

Anschließend folgte dann eine achtjährige Karriere in der Kreativbranche und im Marketing unterschiedlicher Agenturen und Firmen. In den 5 Agenturen hatte ich meist mit intellektuellen, kreativen und fähigen Leuten zu tun. Auf Kundenseite im Marketing kam es auf die Industrie an…in der Fashionindustrie eher mit hippen internationalen Kids, in der Yachtindustrie mit Kindern reicher Eltern oder mit produktiven britischen Mittelständlern, in der Hotelindustrie eher mit konservativen Angestellten. Ich habe in Deutschland und England gearbeitet und war auf Geschäftsreisen in USA, Montecarlo, Holland und in sämtlichen deutschen Städten und per Skype sicherlich in weiteren 10 Ländern.

Und nun zur Problemstellung:
Jedes Mal wenn ich in einer Beziehung oder einer Freundschaft bin, oder auch wenn ich neue Leute kennenlerne, bin ich ein verfluchtes Chamäleon! Ich nehme es mir nicht vor, ehrlich, sogar ganz im Gegenteil, aber es passiert einfach ganz automatisch, dass ich mir sogar unterbewusst das ganz bestimmte ICH (mit den relevanten Erfahrungen etc.) herauspicke, welches in der entsprechenden Situation am idealsten passt und ich färbe mich direkt mal in die Farbe dieses ICHs. Dabei blende ich den ganzen anderen doch recht vielfältigen „Mist“ aus, somit bin ich dann mit dieser bestimmten Person von dem Punkt an dieses eine ICH, anstatt dieses viel zu widerlich facettenreiche ICH zu sein, welches ich doch eigentlich bin.

Meist passiert das alles wenn ich mich einer Person überlegen fühle und verhindern will, dass ich sie/ihn mit dem ganzen Quatsch einschüchtere, so schalte ich 80% von dem Gedönst aus, wobei ich mich jedoch wie eine Heuchlerin fühle und es frühestens ein großes Problem gibt, wenn wir dann gemeinsam einer Person oder einer Gruppe begegnen, bei der ich mehr als nur 20% von mir benötige…CLAAAASHHHH

Andererseits kann es ebenfalls sein, dass ich mich einer Person unterlegen fühle oder einfach der Meinung bin, dass die Person aus einer gehobeneren Gesellschaft  kommt als ich und mit ein paar der Welten, die ich kenne nicht vertraut ist und vielleicht auch sein will. In so einem Fall schließe ich automatisch den Teil von mir ein, der ins Havanna ging und manchmal ausversehen ein leichtes „isch“ anstatt „ich“ sagt, und dessen Vater manchmal die Suppe schlürft weil sie doch angeblich so unerträglich heiß ist. Und übrig bleibt nur das gebildete ICH, welches die Welt gesehen hat und eine top Karriere hinlegt…

Und wenn es dann mal eine Person ist, die zwar ungefähr auf dem selben „Level“ zu sein scheint, jedoch keine Soziale Schizophrenie aufzuweisen scheint…dann reduziere ich mich prophylaktisch einfach mal auf ca. 40% von mir, einfach nur um nicht zu nerven und für ein Bisschen Simplicity zu sorgen. Wenn ihr diesen Beitrag bis hierher gelesen habt, versteht ihr warum…es nervt einfach und kommt beschissen arrogant rüber, wenn man doch ach so vielfältig ist oder so rüberkommt, als wäre man es gern (wobei man es doch – KEIN SCHEISS – aufgrund von seinem crazy Leben einfach mal wirklich ist).

Ihr wollt euch gar nicht meine Geburtstage vorstellen…ich habe mich schon mein Leben lang gefragt, wie es bitte geht, dass Menschen Cliquen haben, in denen alle Leute einfach mal gleich drauf sind? Symbiose und so…<3 von wegen.

Und die Lösung?
Okay, vielleicht ist es ja tatsächlich eine Art Sozialer Schizophrenie, oder so? Macht ihr das auch so? Ist es normal, sich zu verstellen und zu reduzieren und ein fucking Chamäleon zu sein? Wenn nein, was wäre dann die Alternative, bittesehr? Was wäre denn, wenn ich selbst nicht wüsste wer oder was ich bin…ich kann nämlich alles sein…ICH BIN ALLES?! Und wenn ich selbst nicht weiß, wer ich bin, wie finde ich dann einen Partner, der zu mir passt, bei dem ich ICH SELBST sein kann, dieses „Ich selbst“, welches es doch gar nicht wirklich gibt…?

Ich glaube dieses doch recht komplexe Problem lässt sich so einfach nicht lösen, aber zumindest war der Artikel doch ganz hilfreich zur Reflektion des Problems. Wahrscheinlich werde ich ab heute aufhören mich selbst dafür zu verurteilen, dass ich einen auf Chamäleon mache, denn es scheint so, als ob ich tatsächlich ein Chamäleon bin. Wieso dann nicht einfach zu allen meinen Farben stehen. Wem es zu bunt wird, der kann gehen. Oder, was sagt ihr?

 

 

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Love, Personal Challenges

World, go fuck yourself.

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Fick dich Welt! Fickt euch alle! Fick Konventionen, fick Regeln, fick „normal“, fick „Gesellschaft“!

„Gesellschaft“ – was ist das überhaupt? Ein Haufen Spackos, die alle (mit ein paar Ausnahmen Gott sei Dank) versuchen möglichst gleich auszusehen, sich gleich zu verhalten und die gleichen unausgesprochenen und ausgesprochenen und aufgeschriebenen Gesetze zu befolgen, um alles auf dieser Welt möglichst langweilig und gleichförmig zu gestalten.

Hier kommt „my confession“ aka „the hot shit, the crazy shit, the ugly shit“. Zerreisst euch die Mäuler, kauft euch einen Lolly, ich scheiße auf alles…

Ich bin 33 Jahre alt (cooles Alter, nicht?) und ich habe meinen beschissenen 2.700 Nettoeinkommen-Lukrative-Agentur-Büro-Senior-Position-Job geschmissen und habe angefangen inmitten 20-Jähriger Schauspiel zu studieren. Zudem habe ich mich in einen 17 Jährigen verliebt und mache Liebe mit ihm. Jap, wir haben Sex, heißen, leidenschaftlichen verdammt guten, liebevollen Sex. True Story. Und ja, es ist legal, verdammt. JETZT kauf dir davon einen Lolly, renn schnell los.

Es ist lustig wie unsere Welt funktioniert. Alle Ameisen spielen verrückt und können es einfach nicht akzeptieren, dass ich so etwas tatsächlich gewagt habe. Wie heftig, wie furchtbar, wie unmöglich. Hey, aber wenn jemand einem erzählt, dass er gestern Ketamin, Koks und MDMA geschmissen hat, dann ist keiner geschockt. Denn das widerum ist absolut normal in unserer Gesellschaft. Unsere feine Gesellschaft…ich bin so stolz Teil dieser Gesellschaft zu sein. Bravo, wir sind kurz vor dem Abgrund. Nur eine Arche haben wir nicht…vielleicht lediglich Putin oder Trump oder beider oder so. Abramowitsch vllt.?

Hate bei Seite meine Lieben. Natürlich geht dieses ganze Dampf ablassen nicht gegen euch meinen lieben Leser. Ich musste einfach ausrassten und euch erzählen, was ich mal wieder geschafft habe anzurichten. Ich schaffe es einfach beim besten Willen nicht der Norm zu entsprechen, dabei dachte ich immer ich sei konservativ…

Seit drei Monaten studiere ich nun Schauspiel und ich muss sagen es verändert mich so sehr. Es nimmt mir meine Verklemmtheit, es nimmt mir meine Vorurteile, es frisst mich auf und ich fühle mich mehr und mehr neugeboren. Je länger ich es mache und desto mehr ich lerne, desto mehr habe ich (so kitschig und abgedroschen es auch klingen mag) das Gefühl, dass ich GAR NICHTS WEISS. Es ist eine Welt voller Phantasie und Liebe und Nähe zum Menschen, es ist eine Welt die ganz anders ist, die ihre außenstehenden Zuschauer buchstäblich dazu einlädt zu verurteilen, denn was wäre Kunst ohne den Faktor die Menschen zu begeistern, aufzuwühlen, zu schocken, zu PACKEN?

Je länger ich es mache, desto weniger passe ich in die Gesellschaft, desto verrückter werde ich – JA, noch verrückter als ich vorher schon war und das soll schon etwas heißen! Und damit muss man erstmal klarkommen… Ich will alles tun, um damit klarzukommen, ich will die Stärke in mir finden, damit klarzukommen, wie andere Menschen damit klarkommen, weil sie damit klar kommen müssen, z.B. Menschen, die „anders“ auf diese Welt gekommen sind und dafür von der langweiligen „normalen“ Gesellschaft verurteilt oder auch nur schief angeguckt werden. Genau diese Menschen will ich von nun an feiern! Ich will sie feiern, weil sie den Mut haben, anders zu sein, weil sie große Eier haben anders zu sein, inmitten all der Barbies und all der Wichser in Hemdchen und Anzügchen.

Fick dich Norm! Wacht auf, Leute, seid wer ihr seid, ich weiß, dass ihr wohl kaum diese graue Masse sein wollt, es ist nur einfacher, es ist mit weniger Hindernissen, mit weniger Konfrontation verbunden. Man will sich ja nicht unnötig selbst Steine in den Weg legen, nicht wahr? Lieber schön grinsen und im Büro die Fresse halten.

Ich werde es mir zur Mission machen, so viele von euch wie möglich aus den Zellen zu befreien, in die ihr euch selbst eingesperrt habt, ich verspreche es euch. So wie ich mich selbst gerade in diesem Moment versuche zu befreien… Es ist nicht einfach, es nicht bequem, it sucks man, it really does. It sucks so much that you want to throw up. Everyone is watching you, everyone is thinking something (fuck knows what they are thinking), everyone is shocked… shocked to see that you are not trapped anymore but that you are actually nearly having fun there in the midst of life. They are super surprised to see you enjoying yourself and doing things that are not logical, not „normal“ (What the hell is NORMAL, people, what is normal? Please do tell me if you shall have the answer!), things that aren’t right according to some motherfuckers who once wrote rules down…

Now ask yourself: Who will profit from you hiding yourself, from you not being the real you, who will be happy seeing you suffer, seeing you neglecting your soul, your heart, your thoughts, your very personal beliefs? WHO?

In the end you are the one to suffer. And they all just pass by and have forgotten about you within seconds no matter what awkward thing you did or how much you shocked them. Everyone just cares about themselves in the very end, so why not just being YOU with all your akward flaws, with all your embarrasing behaviours and what ever the hell you want or have to offer the world.

So why not just quit that well paid job with beautiful business cards and study acting with 33 years old and adore every single day of your new life – whilst other people have babies and houses and debt and think that they have made it. Or why not just love and make love to a 17 year old beautiful, talented, amazing actor, whos thoughts are million times more interesting than those of some 30 year olds – whilst other people have given up on real love and passion and just hang in their boring lives being scared to lose their „security“ (there isn’t any guarantee for anything in life, baby, and you know it as much as I do)…

Be brave people. Brave to do what ever the FUCK you want in life. Create some exciting stories for your grand children to tell when you lay there and know it’s about to be over. Don’t you want them to think „Damn, grand dad/mother was a badass“?!

Es lebe das Leben! Peace out.

 

 

 

 

 

 

 

 

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General, Personal Challenges, Relationship

Er und sie.

Er betrat das Apartment und schaute sich sofort wild um. Wo war sie bloß? Er konnte sie weder sehen noch hören. Jedes Mal wenn er von der Arbeit kam, durstete es ihn ihn, danach mit ihr zu sprechen, zu lachen, sie einfach anzusehen. Fast jedes einzelne Mal bekam er sie auch tatsächlich zu Gesicht, und das sofort nachdem er die Tür aufmachte. Schon während er seinen Schlüssel im Schlüsselloch drehte, rief er ihren Namen, eigentlich ihren Spitznamen, seinen persönlichen Spitznamen für sie. Nur er nannte sie so.

Und immer war sie sofort da als er ihren Namen rief. Mal schaute sie hinter einem Türrahmen hervor, mal stürmte sie aus dem Schlafzimmer heraus, oder drehte sich um während sie Karotten schnippelte. Jedes Mal war ein breites Lächeln auf ihrem Gesicht wenn sich ihre Blicke trafen. Ein wunderschönes Lächeln. Fast schon zauberhaft oder magisch.

Was er an ihr fand, das wusste er nicht so recht… Sie war anders, irgendwie verstörend anders, täglich zog sie ihn mühelos in ihren Wahn. Sie war übernatürlich optimistisch und teilweise nahezu euphorisch über die kleinsten Dinge. Ihre Lebensfreude und Leidenschaft war wie eine Epidemie.

Immer wenn sie vor ihm stand, schien sie glücklich zu sein, oder zu werden. Er wusste nicht so recht, ob er der Grund für ihre immerwährend gute Laune war, doch er konnte sich auf ihre leuchtende Laune immer verlassen. Es sei denn, er war da.

Wenn er da war, konnte man sich auf absolut nichts mehr verlassen. Dann passierte es auch schonmal, dass sie bitterlich weinte, oder stumm und verlassen in der Ecke saß und leblos die Wand anstarrte. Alles hatte doch so gut mit ihnen angefangen…

Noch nie hatte er eine Frau einen Mann so verehren sehen, so sehr lieben, sich um ihn dermaßen aufopferungsvoll kümmern. Diese Selbstlosigkeit, die sie ihm entgegenbrachte, bereit alle seine skurrilen Wünsche zu erfüllen, war fast schon pervers. Und der Vollidiot schätzte diese wundervolle Frau nicht. Wie konnte er nicht sehen, was für ein Goldstück er dort vor sich hatte, mit aller Liebe in seine Richtung gewandt, einem offenen Herzen, stets mit warmem Essen auf dem Tisch. Die Art wie sie ihn bemutterte war altmodisch und zu viel, und doch wünschte er sich selbst nichts sehnlicher als ebenfalls so viel kostbare Aufmerksamkeit von einer Frau zu bekommen. Wenn er bloß könnte, dann von eben dieser Frau. Diese Wärme war genau das war er brauchte, das wonach er schon immer vergeblich gesucht hatte. Doch die Wärme galt nicht ihm, sondern ihm allein.

Er selbst kam sich vor wie ein unsichtbarer Beobachter, der versuchte so gut wie möglich sein eigenes Leben zu meistern, während er tagein tagaus unmündig und hilflos zuschauen musste, wie diese beiden Menschen dort ihre sogenannte Liebe lebten.

Auch er wollte Liebe, doch nicht so, und nicht um jeden Preis. Sie liebten und vergötterten sich, na ja, sie liebte ihn definitiv mehr als er sie… Und dann stritten sie und alles schien verloren, bis er sie in ihr Schlafzimmer zerrte und sie ein paar Stunden später mit gesenktem Blick, doch lächelnd wieder herauskam. Er selbst war wie ihr Kind, das unter dem Streit und Frust zwischen der Eltern litt und plötzlich mit schlechten Noten nach Hause kam. Nur dass er kein Schüler war, sondern verantwortlich für dreizehn Mitarbeiter in einer angesehenen Firma. Und doch war er nur ein kleiner Junge, der sich nichts sehnlicher wünschte, als das Mädchen seiner Träume aus den Klauen seines Rivalen zu befreien. Aus den Klauen seines Bruders. Seines drei Jahre älteren Bruders. Seines einzigen Bruders.

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Love, Relationship

Gemeinsam einsam?

Beziehungen sind eine große Herausforderung.
Ich glaube Menschen die Beziehungen „perfekt beherrschen“ (wer kann das schon, aber dennoch) wissen wie man gleichzeitig gemeinsam aber auch unabhängig von einander Lebensfreude generiert. Fast mein gesamtes Leben lang hatte ich mich immer auf meine Beziehungen oder auf Männer in die ich verliebt war verlassen bei der Generierung meiner Glückshormone. Außer wenn es um Sport ging…vor allem um das Tanzen. Der Tanz war vom ersten Augenblick an meine große wahre Liebe, eine Liebe die nie nachließ oder aufhörte zu existieren. Mit 33 Jahren bin ich nun am Punkt angekommen, wo ich verstehe, dass man nicht alles Glück der Welt von seiner Beziehung allein erwarten kann, man ist für seinen mentalen Zustand primär selbst verantwortlich. So weit so gut.

Nun bin ich in der seltsamen Situation, dass ich aus London wieder zurück nach Berlin gezogen bin vor fast einem Monat und freiwillig eine Fernbeziehung zwischen mir und meinem Freund kreiert habe, mit dem ich bald 3 Jahre zusammen sein werde. Ihr erinnert euch vielleicht an meinen 4.5-Jahre jüngeren Freund, der es noch zu früh findet zu heiraten und eine Familie zu gründen…?

Nun sitze ich hier und versuche zu verstehen was in mir vorgeht. Ich fühle mich oft leer und einsam wenn ich alleine bin und dann bin ich doch glücklich, dass ich endlich Zeit für mich habe. Am Anfang habe ich so oft es geht versucht mich mit Freunden zu treffen, die in mir Glücksgefühle wecken und mit denen ich Spaß habe, doch ich habe gemerkt, dass ich mich zu sehr an sie klammere und unbewusst versuche die permanente Präsenz meines Freundes in meinem Leben durch andere Menschen zu ersetzen. Auch habe ich festgestellt, dass diese Menschen hier natürlich ihre eigenen Leben zu leben haben, sodass ich mich nicht auf sie so sehr verlassen kann, wie man sich auf seinen Partner normalerweise im täglichen Leben verlässt. Es musste also etwas anderes her, bei dem ich nicht auf eine bestimmte Person angewiesen bin…

So bin ich wieder zum Tanzen zurückgekehrt. Und ich muss sagen, es fühlt sich wundervoll an. Während ich tanze vermisse ich nichts und niemanden, die Welt ist perfekt. 

Okay, ich bin also nun in der Lage unabhängig von meiner Beziehung Lebensfreude zu generieren. Und nun? Ich frage mich an dieser Stelle wofür ich meinen Freund denn dann überhaupt brauche? Was ist der Grund für uns unsere Leben mit einander zu verbinden?

  • Eine gemeinsame Zukunft wäre ein guter Grund für den Erhalt einer Beziehung, doch wie schon erwähnt denkt mein Freund nicht wirklich an Zukunft, er lebt eher in den Moment hinein. Wir planen keine Kinder, keinen Hauskauf und keine Heirat. Seine Familie ist sehr kulturell und er kann ihnen nur eine Frau vorstellen, die er vor hat zu heiraten. Nach fast drei Jahren habe ich seine Eltern nicht getroffen und es scheint ihm nicht wirklich etwas auszumachen, dass er mit ihnen nicht über mich sprechen kann.
  • Es ist andererseits auch nicht so, dass wir mit einander Pferde stehlen und jeden Tag als wäre es der letzte auskosten. Wir gehen selten auf Reisen und haben auch unterschiedliche Vorstellungen vom perfekten Urlaub. Ich liebe den Ozean und könnte ständig ans Meer und er würde am liebsten gar nicht erst ins Wasser. Ich bin ein viel leidenschaftlicher und abenteuerlustigerer Mensch als er und auch sehr viel mehr wissbegierig. Mir fällt es schwer an einem Punkt stehen zu bleiben, ich will mich stets weiterentwickeln und aus festen Strukturen ausbrechen. Er dagegen erwartet und braucht nicht viel um glücklich zu sein, seine Welt ist perfekt auch wenn er über Jahre in der gleichen festen Struktur bleibt ohne großes Feuerwerk der Gefühle, solange er sich entspannen kann und es keine Probleme gibt.
  • Ich kann nicht wirklich sagen, dass wir Seelenverwandte sind und einander etwas geben können, wonach wir unser Leben lang vergeblich gesucht haben und es schlussendlich bei einander gefunden haben. Wir verstehen uns sehr gut, sind immer für einander da und haben den gleichen Humor. Er ist ein extrem gutherziger und positiver Mensch mit dem es Spaß macht Zeit zu verbringen, aber es versetzt mich in Ektase wenn wir mit einander sprechen oder über das Leben philosophieren. Wir sind sehr unterschiedliche Menschen: Ich bin sehr emotional und stelle eine Verbindung mit anderen Menschen meist über Verletzlichkeit her wobei ich mich selbst mitteile und meist beobachte wie der andere Mensch sich öffnet. Er dagegen ist jemand der im Leben viel unerfahrener ist und noch gar nicht wirklich Herzschmerz erfahren hat. Wenn er mit anderen Menschen eine Verbindung herstellt ist es oft einfach durch Fragen stellen (was meist sehr gut ankommt auch wenn dadurch kein tiefes Band entsteht, dennoch fühlt sich der Mensch immer extrem wertgeschätzt) oder über alltägliche Themen und Small Talk. Ich glaube auch, dass er das was mich am meisten ausmacht nicht so liebt wie er es sollte…mein Temperament, meine Leidenschaft, mein Feuer. Und genau so schätze ich ihn als die Oase der Ruhe die er ist vielleicht nicht in dem Ausmaß in dem er es verdient. Er will mich ruhiger und ich will ihn feuriger, doch leider sind wir nicht bei „Wünsch Dir Was“ und man kann und sollte die Essenz eines Menschen nicht ändern.
  • Und schlussendlich, die Liebe. Wir lieben uns, respektieren, schätzen und unterstützen uns. Wir sind harmonisch mit einander und behandeln uns sehr gut. Es gibt keine schrecklichen Dramen und kein hysterisches Weinen bis 4 Uhr morgens, keine Verzweiflung und keine Gewalt. Aber das Gefühl, dass mein Freund mich als die Frau seines Lebens sieht, habe ich leider nicht. Und ich selbst kann einfach nicht anders, als mich zu fragen, ob das denn schon alles ist? Und ich glaube wenn es „The One“ ist, dann denkt man eher „Lieber Gott, bitte nehme ihn mir nicht weg bis wir uralt sind!“ anstatt des Gedankens „Und das ist es nun bis an unser Lebensende?“.

Ich habe wirklich erwartet, dass wenn ich aus England weggehe unsere Gefühle sich überschlagen werden und ich Nachrichten voller „Ich liebe dich und brauche dich, die Welt ist nicht lebenswert ohne dich!“ und vielleicht auch „Ich vermisse es dich zu berühren, ich bin ständig so erregt und kann nicht aufhören an dich zu denken!“ erhalte. Jedoch muss ich sagen, dass dies nicht in dem Ausmaß eingetroffen ist, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich habe nun einen Freund in einer anderen Stadt mit dem ich weder über unsere Zukunftsträume reden kann, noch über das Leben philosophieren kann und auch keine Pläne zum Pferde stehlen schmiede.

Was denkt ihr, liebe Leser? Was ist euer Rat an mich?

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General, Personal Challenges

Meine Bestimmung.

Get the feeling: So Far Away by Martin Garrix & David Guetta 

Hallo. Lange ist er her seit ich euch mit meinen ständig wechselnden Gedanken und Theorien belästigt habe, doch keine Sorge, es wird sehr viel von mir kommen in der nächsten Zeit, mehr als ihr wahrscheinlich Lust habt zu lesen, meine liebsten Leser.

Ich habe beschlossen einfach zu schreiben, zu schreiben bis ich endlich anfange daran zu glauben, dass ich schreiben kann, dass ich jemals ein ganzes Buch schreiben kann. Es wird Zeit meine Angst vor dem Schreiben zu verlieren, meine Angst vor dem seelischen Entblößen, vor der Verletzlichkeit, die mit dem Schreiben einhergeht.

Nichts will ich mehr, als etwas in dieser Welt zu bewegen, etwas zu dieser Welt beizutragen. Je länger ich im Büro arbeite, desto mehr wird mir klar, dass ich zwar sicherlich das Leben meiner Kunden bereichere und mit meiner positiven Energie,  Lebensfreude und Leidenschaft ihre tägliche Arbeit aufwerte, dennoch ist es irgendwie nicht wie es sein sollte, wenn ich in der Marketingberatung arbeite mit der Mission Menschen mit Lebensenergie zu erfüllen anstelle von dem Marketing selbst begeistert zu sein. Ich kann es verstecken so viel ich will, ich kann mich drehen und wenden, aber verdammter Mist, ich bin nun mal ein Künstler und kein Büromensch. Always been, always will be. Es tut mir leid, Wirtschaft, aber ich scheiß auf dich.

Ich will etwas bewegen in dieser Welt, etwas hinterlassen. Und dabei muss ich mich auf etwas verlassen, das ich kann, das mir von Gott gegeben wurde.

Und mittlerweile weiß ich was ich am Besten kann im Leben: Ich habe die Gabe meine Mitmenschen zu inspirieren, ein Feuer in ihnen zu entfachen, ihnen Hoffnung zu geben, in ihnen Glauben zu kreieren. Täglich mache ich genau das mit meinen Freunden und Menschen die mir im Leben begegnen, doch dort draußen gibt es Millionen anderer Menschen die Liebe und Inspiration brauchen.

Ich habe immer gedacht, dass es keinen Sinn macht ein Buch zu schreiben, weil ich vielleicht nicht in der Lage sein werde ein Tolstoi zu sein, weil ich nicht mithalten können werde mit allen diesen brillanten Schriftstellern dieser Welt und nicht zuletzt auch weil man sich meist nicht ernähren kann vom Schreiben. So schnell wird mir als „Wanna-Be-Schriftstellerin“ kein Mensch 60.000 Euro jährlich zahlen, dafür dass ich hier rumsitze und heulend meine Schreibblockaden bekämpfe…

Und dennoch gehen mir langsam die Ausreden aus…denn so viel Angst ich vor dem Karussell der Gefühle beim Schreiben auch haben mag, noch viel mehr lehnt sich jede Zelle meines Körpers dagegen auf Teil der freien Wirtschaft zu sein und zu existieren ohne etwas zu dieser Welt beizutragen, täglich einfach nur über Return of Investment nachzudenken. Jeder Tag im Marketing kommt mir einfach nur verschwendet vor, als säße ich in einem hübschen Käfig. Und wie sehr ich mich auch belügen mag, dass ich in der kreativen Industrie tätig bin und Marken erschaffe, die Konsumenten was geben…das ist alles ein kommerzielles Konstrukt gefüllt mit im besten Fall Luft und wahrscheinlich eher mit Scheiße. Es geht um die Absicht. Und wenn die Absicht ist zu verkaufen, dann kann die Tätigkeit selbst aus meiner Perspektive nicht sinn-stiftend sein. Klar müssen wir alle überleben und unsere Mieten zahlen, und sehr gerne nehme ich eine großzügige Bezahlung entgegen für großartige Arbeit, die ich leiste. Dennoch kann kein wundervolles einzigartiges Werk erschaffen werden einfach nur aus der blanken Absicht heraus damit Kohle zu verdienen. So werde ich einfach schreiben mit der Mission Menschen etwas zu geben und diese Welt zu verändern und mein eigenes Herz dabei zu wärmen, jede Sekunde in der ich diese Kunst betreibe. Und alles andere wird von selbst kommen, da bin ich mir sicher. Fuck 60.000 Euro, fuck it all. Das was mir das Schreiben gibt, kann mir kein Geld der Welt geben.

Doch nicht vor der Armut als Schriftstellerin habe ich am meisten Angst, meine größte Angst ist dieses Gefühl sich nackt zu fühlen, nach dem man sich vor der ganzen Welt seelisch entblößt hat, dieses Gefühl, dass man dort komplett verletzlich steht und alle einen angucken und über einen urteilen. Dieses Gefühl löst in mir die blanke Panik aus, und Scham, und Ekel. Und noch beunruhigender ist dieses Gefühl, dass man beim Schreiben so viel fühlt, dass man es kaum ertragen kann und nach gar nicht so langer Zeit einfach dankbar ist Excel zu öffnen und stumpf zahlen in die Kästchen zu tippen um sich und seine extremen Gefühle zu verdrängen und sich zu vergessen. Man fragt sich, wie lange man es durchhalten kann, sich ständig zu öffnen und so viel zu fühlen…doch will man stattdessen nichts fühlen?

Ich glaube bisher habe ich alle meine Ängste im Hinblick auf das Schreiben nie überwinden können, weil ich selbst nicht Motivation genug war. Doch wenn es andere Menschen sind für die ich das alles auf mich nehme, dann ist alles auf ein Mal ganz anders.

Heute beschließe ich hiermit Schriftstellerin zu sein. Ich werde schreiben. Schreiben schreiben schreiben. Ich werde endlich die Künstlerin sein, die ich von Geburt an bin. Ich werde Musik hören, singen, tanzen, Theater spielen, reisen und Menschen zuhören. Ich werde alles in mir aufsaugen und daraus meine kreative Kraft für das Schreiben schöpfen. Ich werde mich nicht damit aufhalten, dass ich keinen perfekten Plot habe, oder dass ich nicht genug der Literaturklassiker gelesen habe, oder dass ich vielleicht nicht gut genug schreibe. Ich werde schreiben. Es fühlt sich richtig an, alle Pfeile des Universums weisen in diese Richtung.

Lasst uns ein Leben leben, das wert ist gelebt zu werden.

 

 

 

 

 

 

Standard
Love

Call me silly, call me crazy, call it love.

Manches im Leben kann man einfach nicht lassen, komme was wolle. Dieses beschissene Gefuehl, das wir „Liebe“ nennen ist die laestigste Klette aller Zeiten, eine Klette die sich in unserem Inneren einnistet und sich dort mit aller Kraft festkrallt und das oft ueber Jahre und Jahrzehnte hinweg.

Unser grosses Problem mit der Liebe ist ja, dass Liebe nicht greifbar ist, nicht faktisch belegbar, nicht messbar und schon gar nicht vorhersehbar. Wir fuehlen, dass irgendwas ueberwaeltigendes in unserem Inneren geschieht wenn sie ihre Spielchen mit uns treibt, aber verstehen tun wir nichts von dem was dort passiert.

Der erste Impuls der in uns aufkommt wenn wir jemandem begegnen, der uns genau so ausgeliefert anstarrt wie wir ihn, ist ganz klar: alles dafuer tun, um sicherzustellen, dass diese Person uns auf moeglichst ewig erhalten bleibt. Witzig eigentlich, dass wir uns gerade darum den Kopf zerbrechen, wobei dies zunaechst unsere geringste Sorge sein sollte. In dem sehr unwahrscheinlichen Fall, dass wir jemanden begegnen und jemanden beruehren duerfen, der in uns all‘ diese gestoerten Wallungen ausloest, sollten wir alles vergessen was mit Logik zu tun hat und uns einfach gemeinsam in das tiefe blaue Wasser fallen lassen. Fuck alle Regeln, fuck alles.

Gott schickt mir einen Menschen, der in mir Gefuehle ausloest, die ich nur ein paar wenige Male in meinem 33-jaehrigen Leben fuehlen durfte…und das bei dem blossen Gedanken an diesen Menschen. Wenn ich nur an diese Augen denke, die mich durchdringen, an diese perfekte Huelle von einem Koerper und dann Millionen von kranken und wundervollen Dingen, die sich in seinem Inneren verstecken – ein ganzes Leben wuerde nicht ausreichen, um all das auch nur oberflaechlich zu ergruenden.

Gott sagt mir, dass dieser Mensch hier ist, genau eine 40-minuetige Zugfahrt von mir entfernt.  Gott schickt diesen Menschen auf seine Weihnachtsfeier in ein Restaurant genau 3 Minuten von meinem Haus entfernt. Immer wieder schickt Gott mir kleine Erinnerungen an diesen Menschen, Traume, Worte, Lieder. Und auch dieser Mensch selbst weiss nicht was er will oder wohin es fuehren kann, aber er bittet mich sich zu treffen, er kontaktiert mich immer wieder mal.

Ist das Leben nicht viel zu kurz zum vernuenftig sein? Ich wuerde alles was ich jetzt habe verlieren und wieder allein sein…ich wuerde eine Beziehung aufgeben, die gut funktioniert und solide ist fuer ein verruecktes Gefuehl das ueber 8 Jahre lang in mir lebt.

What if I fall? … Oh,but my darling,what if you fly…

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Standard
Love, Relationship

Lalalalaliebe.

Ich sitze hier und versuche ein Buch über Liebe zu schreiben. Ein Buch, das die (vermeintliche) große Liebe meines Lebens beschreibt und dem Leser Hoffnung auf große überwältigende Gefühle einhaucht. Ich bin davon überzeugt, dass ich ein Buch schreiben muss und werde. Dennoch habe ich panische Angst davor nicht die richtigen Worte zu finden oder vielleicht sogar vergessen zu haben wie es sich wirklich anfühlt zu lieben. Vielleicht habe ich sogar den Glauben an die große Liebe verloren… (Ich muss zugeben es fühlt sich nicht richtig an so etwas zu sagen während man seit zwei Jahren in einer glücklichen Beziehung ist. Nun, so ist es wohl mit dem Schreiben: etwas das absolut „politisch korrekt“ ist hat kaum literarischen Wert und ist oft einfach mal langweilig.)

Okay, was wäre wenn man diese „krassen“ Gefühle der Liebe nur empfinden kann, wenn wir zwar mit dem Objekt unserer Begierde in Berührung gekommen sind, jedoch eine Beziehung nicht zu Stande kommt sodass wir uns nach ihm oder ihr verzehren ohne ihn oder sie „besitzen“ zu können? Dann wäre jedoch dieses ganze Streben nach einer festen Beziehung absurd ― denn an dem Punkt an dem wir ihn oder sie endlich „unser“ nennen können, müsste uns theoretisch all‘ diese Magie abhanden kommen. Vielleicht liegt darin auch der Grund für den leichten Hauch von Langeweile den ich aktuell in meiner Beziehung verspüre…da ich meinen Schatz sicher habe. So scheine ich es ja mit meiner vermeintlichen Liebe des Lebens genau richtig gemacht zu haben mit unserem ständigen hin und her über fast acht (!!!) Jahre. Meine Mutter sagt Liebe dauert ca. zehn Jahre…yay, only 2 more years to go! 

Heute morgen las ich mit dem Ziel mich zum Schreiben zu inspirieren weiter in meinem Buch „Kein Wort mehr über Liebe“ und schmiss es nach einer Stunde entnervt in die Ecke meines Schlafzimmers (oder hätte es gern getan, wenn es kein eBook gewesen wäre). Ich habe nicht das geringste Bedürfnis meine kostbare Lebenszeit damit zu verschwenden, über irgendwelche alten Säcke (sorry) zu lesen, die einst nicht aus wahrer Liebe geheiratet haben und sich nun nach zwanzig Jahren und zwei Kindern wundern, dass ihnen nun mit 60 Jahren und grauen Schläfen jemand begegnet, für den sie ― oh Wunder ― echte Liebe empfinden. Oder haben sie doch nur in all den Jahren als Muttis heißen dreckigen Sex vermisst? Sad. Zum Glück bin ich noch keinem Mann mit Freudentränen „Ich will-schreiend“ um den Hals gefallen…so kann ich mir genau überlegen wen ich heirate und mich davor bewahren mich für jemanden zu entscheiden, den ich mit dem Nächstbesten betrüge während meine Kinder friedlich zu Hause schlafen. Verzeiht meinen Zynismus.

Was ist Liebe eigentlich, verdammt noch mal? Und wieso ― auch wenn wir nicht wissen was Liebe eigentlich ist und woher sie kommt ― können wir sie dennoch erkennen wenn wir sie in einem Film wie „Tatsächlich … Liebe“ sehen? So oft in meinem Leben habe ich mir meinen Kopf über Liebe zerbrochen. Viel zu oft.

Wenn wir lieben fühlt sich alles besonders an, jeder Blick und jede Berührung sind magisch, elektrisierend. Unser Herz schlägt schneller, wir schämen uns ihm oder ihr in die Augen zu schauen.

Vielleicht hat meine Mutter Recht wenn sie sagt, dass man jemanden gar nicht lange kennen muss, um zu wissen, dass man sein Leben mit diesem Mann verbringen wird mit Freude seinen Kindern das Leben schenken wird? Und dennoch habe ich nur zwei Mal in meinem gesamten Leben zu bestimmten Momenten der jeweiligen Beziehungen gedacht, dass ich sofort Ja sagen würde, ohne Zweifel. Dies war jedoch aufgrund der verrückten Gefühle, die sie beide in mir auszulösen vermochten und nicht wegen unserer Kompatibilität als Paar.

Geht es vielleicht tatsächlich primär um das Gefühl, welches die andere Person in uns auszulösen in der Lage ist? Ist dieses Gefühl wohlmöglich unser einziger verlässlicher Barometer? Auch wenn jede Liebe mit der Zeit weniger wird, kann die Erinnerung an dieses erste Gefühl in unserer Erinnerung weiterleben und von Zeit zu Zeit vielleicht auch wieder aufgerufen werden? Es ist uns bewusst, dass dieses unbeschreibliche Gefühl nur wenige besondere Menschen in uns auslösen können, wir verstehen dass Liebe rar ist. So können wir die Entscheidung für eine Hochzeit auch 50 Jahre später noch nachvollziehen, jedes Mal wenn wir uns an das Feuer der Leidenschaft zu Beginn der gemeinsamen Geschichte zurückerinnern.

Was mir missfallen hat an dieser vermeintlichen ‚Liebe meines Lebens‘: Wenn es wirklich die ‚Liebe unseres Lebens‘ gewesen wäre, dann hätte er mich nicht am Ende gebeten zu gehen. Simple.

Ich weiß nicht, ob mein jetziger Freund die Liebe meines Lebens ist, aber eins ist sicher: Mein Verflossener ist es nicht, auch wenn ich ihn tatsächlich vom ganzen Herzen geliebt habe, vom ganzen Herzen. Die Liebe war rein von meiner Seite und ich habe alles gegeben, ihm Millionen von Chancen gegeben, gekämpft, geweint, das Land gewechselt.

Wenn ein Mann eine Frau liebt, dann kämpft er um sie, dann lässt er sie nicht gehen, dann rennt er nicht vor ihr weg, stattdessen ruft er sie an, schreibt ihr, tut alles um sie an seiner Seite zu behalten. Mein Gefühl war stets, dass es zwischen uns einseitig ist und so war es wahrscheinlich auch.

Und vielleicht fällt es mir so schwer dieses Buch über „wahre Liebe“ zu schreiben, weil ich tief in meinem Herzen weiß, dass auch wenn animalisch gesehen wir wie für einander bestimmt waren, die Liebe von seiner Seite nicht stark genug war, nicht echt genug, sonst hätte er gekämpft um mich wie ein Mann, der mein wertvolles Herz verdient.

 

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