Fitness, General, Personal Challenges

Day 1 (of 28) – Just do it

In 28 Tagen ist es soweit: der langersehnte Urlaub auf Sizilien. Es gäbe eine Million Gründe zur Freunde…wenn da nicht meine bescheidenen 70 Kilogramm Körpergewicht wären.

Anstatt mich „fertigzumachen“ und in Panik auszubrechen, habe ich dieses eine Mal beschlossen, das Ganze positiv zu betrachten und dabei 28 Tage lang ein öffentliches Tagebuch zu führen, in dem ich meine strahlenden Erfolge, fatalen Fehler und Träume vom Schanksein mit euch teile.

Heute war kein schlechter Tag, aber wenn alle 28 Tage so wie heute sind, dann wird man am Ende wohl eher nicht von der großen Verwandlung sprechen können: Ich frühstückte mein Knofi-Dill-Lachsfilet, was eigentlich als mein Mittagessen eingeplant war und füllte meinen Magen mittags mit einem Salat aus Tomaten, Gurken, Zwiebeln und – verzeiht meinen perversen Geschmack – sauren Gurken mit Light Sour Creme, sowie einem kleinen Ciabatta Baguette (ich weiß, nicht gerade optimal). Hatte einen Latte, zwei weitere Kaffee mit Milch und jeweils einem Löffel Zucker, ein Bisschen Weintrauben mit Beeren und schließlich abends vier mittlere gekochte Kartoffeln mit Sauren Gurken und circa zwei Löffel Sonnenblumenöl…na ja oder drei. Ach ja, zwischendurch gab ich mir noch eine Thai Chicken Päckchensuppe, warum auch immer das sein musste? Oh Gott, ganz vergessen, dass ich mir auf dem Weg zur Maniküre so seltsame Rindfleischstückchen mit grobem Pfeffer reingewürgt hatte (hier in England gibt es tausende von „gesunden“ Snacks für jede art von Snacker, ganz egal ob vegan, low-carb oder sugar addict).

Ich weiß, dass es besser geht und ich weiß, dass das alles andere als abwechslungsreich war, außerdem viel zu viele Kohlenhydrate und Fett und relativ wenig Eiweiß. Immerhin zeigt mein Fitbit 12,417 steps, 18 floors, 8.75 km und 2,314 verbrannte Kalorien an. Wenigstens etwas.

Wie auch immer, ich habe noch 27 Tage um es besser zu machen…auch wenn ich morgen nach der Arbeit einen Geschäftstermin habe, bei dem wir (ob ich es will oder nicht) ein oder zwei Gläschen kippen werden. Verdammt sollst du sein, London. Und all‘ deine Pubs…

Ich habe mir heute vorgenommen, jeden Tag ein Bisschen zu von meinem Ziel zu träumen und es mir bildhaft auszumalen (ja, ganz genau dieses „The Secret“ es von einem immer verlangt). So habe ich mir heute vorgestellt, worauf ich mich am meisten freue, wenn ich es endlich geschafft habe 7-9 Kilo abzunehmen.

Ich dachte mir, wie unbezahlbar es doch ist, dass ich in der Lage bin, mein Aussehen so signifikant zu verändern einfach nur durch ein wenig Disziplin. Wenn ich perfekt schlank wäre, dann gäbe es gar nicht so einen wundervollen Spielraum. Bei meinem süßen 70kg Body bin ich dagegen in der Lage so eine richtig tolle Verwandlung an den Tag zu legen, bei der jeder bei der Arbeit mir plötzlich anfangen wird Komplimente zu reissen und absolut schockiert zu begreifen, dass ich gar nicht mittelmäßig, sondern doch eine ziemliche Granate bin (alles schon erlebt in der Vergangenheit). Allein der Ausdruck in ihren verblüfften Gesichtern ist es wert, diese 28 Tage durchzuziehen. Ich habe es verdient, meinem bestmöglichem Ich jeden Tag im Spiegel zu begegnen und es mit einem breiten Lächeln zu genießen. Das Gefühl mit sich selbst zufrieden zu sein ist besser als der kurze Rausch einer schmackhaften Mahlzeit. Es ist eine Lebenseinstellung, die ich verdammt noch mal besser früher als später „embrace“, und zwar mit aller Kraft meiner noch schwabbeligen Ärmchen.

Just do it, leichter gesagt als getan, jedoch ABSOLUT IM RAHMEN DES MÖGLICHEN.

Steht mir bei, Freunde ❤

PS: 23.10 Uhr in London. Mein Freund brät grad Bacon…fataler Fehler ihm das mit dem „Kochen“ beigebracht zu haben…Ok, also rechnet noch 1/4 Avocado und halbe Scheibe Bacon hinzu. Leider.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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General

To do: Go back to stunning.

LA LA LAND-DANCE-DRESSES

Get the feeling: Ne-Yo – Miss Independent

Okay, alle guten Vorsätze und Diätpläne bei Seite, ich habe es mal wieder auf die Spitze getrieben: Ich habe ironischer Weise anstatt abzunehmen deutlich zugenommen. So wie ich gerade aussehe, habe ich Angst, Leuten die mich schlank kennen auf der Straße zu begegnen! Wenn mein Ex-Freund mich zum Beispiel so sehen könnte, dann würde er sofort aufhören mir hinterherzuträumen und sich gehässig ins Fäustchen lachen.

Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl tiefer Betroffenheit, wenn man den Schock in den Augen des Gegenübers wahrnimmt, den Schock ausgelöst von unserem Anblick.

Abnehmen ist ein Kampf und es ist kein leichter Kampf, sondern ein Kampf um Leben und Tod. Wer mir etwas anderes erzählen möchte, der kann nach Hause gehen. Off you go! Der einzige vergleichbare Kampf des tauglichen Lebens, den viele von uns bestreiten, ist Aufhören zu rauchen. Das ist genau so schmerzhaft, aber wenigstens relativ ‚linear‘ durchzuführen, während eine Diät deutlich komplexer ist und viel mehr Auseinandersetzung mit dem Thema sowie Wissen von dem Betroffenen abverlangt. Dennoch, Droge ist Droge, ich würde Essen definitiv ohne jegliche Zweifel als Droge bezeichnen.

Es ist Wochenende und ich habe Zeit, Zeit vor dem Spiegel stehen zu bleiben. Ich stelle mich gerade hin und schaue mich direkt an. Ganz plötzlich betrachte ich mich mit fremden Augen, anstelle das übliche ‚automatische‘ Bild zu sehen, welches sich aus meiner Selbstwahrnehmung und der Liebe zu mir selbst über mein gesamtes bisheriges Leben hinweg zusammengesetzt hat.

Ich schaue meine Beine an und sehe, dass meine Knöchel aufgequollen sind, insgesamt sind meine Beine viel breiter geworden und es scheint kaum mehr einen Zwischenraum zu geben. Der doch so begehrte Zwischenraum… Auch meine Arme haben sich zum Schlechteren entwickelt, meine Schultern sind rund und das Fleisch meiner Arme geht über meine Schultern hinaus. Ich ziehe mein T-Shirt hoch und blicke hinunter auf meinen Bauch. Ich presse ihn heraus und drehe mich zur Seite… Ich sehe eindeutig schwanger aus, „Das geht so nicht weiter“, sage ich zu mir selbst. Sogar meine Hände sind rundlich und meine Kieferlinie hat sich verabschiedet… Traurig ist auch, dass mein eigentlich so praller Hintern flacher geworden ist, da ich ihn nicht mehr trainiert habe… Ich bin dabei alles zu verlieren, das ich mir vor 1.5 Jahren so hart erarbeitet hatte, als ich endlich in der besten Form meines Lebens war.

Kürzlich ist mir aufgefallen, dass das Sexleben mit meinem Freund leicht eingeschlafen ist… Ganz klar wird er weniger angetörnt wenn er mich entblößt sieht, es ist nun mal so, dass sich das was er zu sehen bekommt verschlechtert hat und nun eindeutig weniger attraktiv ist. Klar haben wir noch Sex, aber er springt mich weniger an, denn visuelle Reize sind unfassbar wichtig, vor allem für Männer. Ich selbst fühle mich viel träger, fauler. Unbeweglich.

Essen macht so verdammt glücklich und ich liebe es, aber ich liebe es mehr AUFREGEND zu sein und ein AUFREGENDES Leben zu haben! Verdammt, manchmal denke ich, dass ich es eh nicht mehr können werde abzunehmen…es scheint so extrem schwer, vor allem ohne richtigen Sport mit meinem verletzten Knie…

Meistens will ich einfach nur den Arbeitstag überleben und zufrieden sein. Dabei habe ich keine Lust zu hungern. Zu hungern um dann irgendwann nach tagelangem, wochenlangem, MONATELANGEM Leid etwas schlanker zu werden, um es dann schlussendlich genießen zu können.

Ich weiss nicht, warum ich keine Motivation mehr habe, auf mich selbst zu achten…

Wird es die glückliche, ruhige, zufriedenstellend Beziehung sein? Wieso ist es so verdammt schwer, die Motivation zu finden, auch innerhalb einer Beziehung attraktiv und aktiv zu bleiben? Es sind doch wir, ganz gleich ob in einer Beziehung oder Single? Wieso glauben wir, dass wir top fit sein müssen, um einen Partner ‚an’s Land zu ziehen‘, doch auf der anderen Seite ist es uns scheiß egal, wie ranzig wir aussehen, wenn wir unser Leben mit jemandem teilen, den wir lieben? Das kann doch einfach nicht richtig sein! Und doch scheinen wir alle dieses ganz bestimmte Verhalten an den Tag zu legen.

Ich muss eine Lösung finden, ich muss aufhören zu Essen, meine wunderschöne Figur wiederfinden und wieder ich selbst sein. Ich muss einfach. To do: Go back to stunning.

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Fitness, General, Personal Challenges

Schlank sein macht dich auch nicht glücklicher!

Bridget Jones-crisps-love

Get the feeling: Christina Aguilera – Beautiful

„Schlank sein macht dich auch nicht glücklicher!“ – diesen Satz höre ich täglich von meinen hübschen leicht pummeligen 10 Jahre jüngeren Arbeitskolleginnen als Antwort auf mein aufrichtiges Klagen bezüglich meiner aktuellen Figur und meiner Schwäche für leckeres Essen. Ich schlucke meine Antwort hinunter und lasse sie weiter an ihren Donuts knabbern und ihren After-Work-Wein schlürfen, während sie es mit aller Kraft versuchen zu verdrängen, dass sie sich verdammt unwohl in ihrer Haut fühlen mit ihrem vergleichsweise leichten jedoch stetig zunehmenden Übergewicht. Ich will Ihnen nicht die Laune verderben, denn jeder muss es für sich selbst begreifen wenn die Zeit reif ist, bzw. wenn alle Jeanshosen UND Leggings nicht mehr passen.

„Schlank sein macht dich auch nicht glücklicher!“ – hm, vielleicht nicht, wenn du zu den wenigen gesegneten Menschen gehörst, für die schlank sein seit deren Geburt der absolute Normalzustand ist und die schon immer alles essen konnten ohne auch nur ein Gramm zuzunehmen. Dann ist es wohlmöglich tatsächlich der Fall, dass schlank sein dich nicht glücklicher macht, oder aber doch, jedoch unbewusst. Du bist es dir nicht bewusst, weil du noch nie durchmachen musstest, wie es ist dick zu sein in einer Welt voller HIIT-Wahn, „perfekter“ Instagram Girls/Klone und Schönheitsoperationen. By the way haben Kim und ihre dummen Schwestern das Ganze noch weiter in’s Absurde und UNMÖGLICHE getrieben mit ihren perfekt schlanken Armen, Beinen, Schultern etc. gepaart mit Wespentaillen, prallen Brüsten und weiblichen Hüften und riesigen runden knackigen Hintern?!? War es nicht schon schwer genug einfach nur schlank zu sein? Jetzt bleibt der Besuch zum Doc anscheinend nicht mehr aus, wenn man „attraktiv“ sein will…

Jedenfalls ist es ist manchmal leicht zu verdrängen, dass wir uns mit unserem Gewicht nicht mehr wohl fühlen. Ich neige dazu das folgende Verhalten an den Tag zu legen, wenn ich stärker zunehme (natürlich ist es absolut möglich, dass es euch da komplett anders geht):

  • Ich meide Schwimmbad- und vor allem Freibad-Besuche zusammen mit meinem Freund oder Date, besonders in Begleitung einer Horde heisser schlanker Freundinnen.
  • Ich freue mich weniger auf meine Badeurlaube und verstecke mich auf meinen Urlaubsfotos hinter Palmen, Strandliegen oder Babykatzen.
  • Ich ziehe keine engen, hellen Partykleider oder Hosen mehr an und greife eher zu Leggings und „Sackkleidern“.
  • Ich verstecke meine Oberarme und neige dazu jegliche Haut meiner Körpers mit Stoff zu bedecken, sodass auch bei 26 Grad Strumpfhosen zu meinen besten Freunden zählen.
  • Ich habe viel weniger Lust Tanzen zu gehen und konzentriere mich voll auf Restaurant- und Barbesuche (was für ein Glück, dass jeder Pub in England auch triefende Snacks anbietet), die meinem Leben nun einen ganz neuen Sinn verleihen.
  • Ich stelle mich auf Fotos in den Hintergrund und versuche mein saftiges Lächeln durch einen schlank machenden (absolut nervigen nichtssagenden) Pout zu ersetzen.
  • Ich Sport trage ich nun schwarze Sporthose mit T-Shirt anstelle von dem pinken engen Top und bunter Blumen-Leggings und verkrieche mich in sämtlichen Ecken zum Abs-Training (wenn ich überhaupt noch zum Sport gehe).

Die Liste könnte unendlich weitergehen…

Egal wie sehr wir versuchen das alles zu verdrängen, die Unzufriedenheit holt uns immer wieder ein. Für mich ist der Gedanke, dass ich nicht die bestmögliche Version meiner selbst bin, am frustrierendsten und erniedrigendsten, besonders wenn ich mich mit Menschen vergleiche, die sich selbst respektieren, mit Menschen deren Leben sich nicht nur um’s Essen dreht, sondern um Abenteuer und Erlebnisse.

„Schlank sein macht dich auch nicht glücklicher!“ – doch, ihr Lieben, schlank sein macht mich glücklicher, weil schlank sein mir ermöglicht ich selbst zu sein, einfach ich selbst ohne Filter, Pout, langer Ärmeln und Strumpfhosen. Schlank sein lässt mich wieder Lust auf mein Leben haben, Lust auf in den Spiegel gucken und dabei zu lächeln. Und es holt mir den Selbstrespekt zurück, den ich inmitten von einem Berg Lebensmittel verloren habe.

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90 Tage Body Challenge – „Nothing tastes as good as skinny feels“ (Kate Moss is damn right!)

Lange ist es her, dass ich dieses Zitat von Kate Moss irgendwo zum ersten Mal gelesen habe:

„Nothing tastes as good as skinny feels“

Damals dachte ich mir: „Es muss schon echt schön sein richtig schlank zu sein, aber der Genuss von Essen ist mindestens genau so schön, wenn nicht besser. Essen bereichert unser Leben so sehr in allen seinen multikulturellen farbenfrohen Facetten, es verleiht besonderen Momente einen feierlichen Glanz, es ist so ein wunderschön warmes Gefühl, sich gemeinsam mit Freunden und der Familie um einen großzügig gedeckten Tisch mit selbst zubereiteten Köstlichkeiten zu versammeln oder von einem geliebten Menschen schick ins Restaurant ausgeführt zu werden.“ Als diese Gedanken durch meinen Kopf kreisten war ich ca. 72 Kilogramm schwer, ab 72 aufwärts habe ich mich nicht mehr gewogen bis ich dann irgendwann Gott sei Dank wieder mit Sport begann und abnahm. Ich wette, dass ich die 75 Kilogram Marke erreicht hatte. Man weiss es nicht…und vielleicht ist es auch besser so.

Dadurch dass ich mit einem relativ schmalen Knochenbau „gesegnet“ bin, sieht man mir Übergewicht etwas weniger an als anderen Frauen mit der gleichen Anzahl an Kilos auf den Rippen, dies hat mich immer ein wenig beruhigt. Zudem habe ich ein hübsches Gesicht, schöne Haut und eine sprudelnde Ausstrahlung – ich kann den Mund nicht halten, wirke dabei jedoch von Zeit zu Zeit recht sympathisch – wahrscheinlich hatte ich diesen „Gaben“ stets zu verdanken, dass ich auch auch noch mit mehr als 70 Kilos von Männern angeschaut, angesprochen und sogar geliebt wurde. Hübsches Gesicht hin oder her, liebender Freund, der nach einem verrückt ist vorhanden oder nicht, insgeheim fühlte ich mich – verzeiht mir die direkten Worte – die  wie ein fettes unbewegliches Schwein.

Ich wusste ganz genau, dass egal wie hübsch ich zu dem besagten Zeitpunkt auch sein mochte, ich war mindestens um 40% hässlicher als ich eigentlich sein könnte, wenn ich ein wenig Disziplin gehabt hätte und endlich mal aufgehört hätte die ganze Zeit ans Essen zu denken. Als Frau mit einem eigentlich starken Willen machte mich der Gedanke, dass ich unbedingt abnehmen will, jedoch zu schwach bin um es endlich durchzuziehen, rasend, ebenso wie die Tatsache, dass Frauen, die viel weniger hübsch sind und viel weniger „strahlen“ als ich, dabei jedoch schlank und sportlich sind, von der Allgemeinheit und insbesondere von dem anderen Geschlecht als schöner wahrgenommen werden und sich schöner fühlen dürfen. „Jeder Mensch muss doch eigentlich das Maximum an seinem Potential ausschöpfen! Genau das ist, was viele Frauen und Männer machen, indem sie sich richtig ernähren und Sport machen, wodurch sie schlank – und nicht zu vergessen gesund – sind und dauerhaft bleiben. Wieso kann ich das nur nicht?“, fragte ich mich selbst so oft.

Mein jüngerer Bruder meinte mal zu mir als ich mich bei ihm über mein Gewicht beklagte: „Wenn du den Raum betrittst, dann schauen dich Männer an. Sie schauen dich auch jetzt wo du etwas pummeliger bist an, weil du ein schönes Gesicht hast. Wärest du jedoch perfekt schlank, dann würde dich jeder einzelne Mann anschauen!“ Es ist schon so lange her, dass er diese Worte zu mir sagte, ich konnte sie bis heute nicht vergessen! Wie Recht er hatte…je mehr ich abnahm, desto mehr Männer schenkten mir wieder ihre Aufmerksamkeit, es war fast wie ein kleines Wunder. Dabei war ich mit ungefähr 67 Kilogramm noch immer weit entfernt von „skinny“.

Klar denken sich viele Frauen – eigentlich richtiger Weise, dass es doch bei wahrer Liebe nicht um das Aussehen gehen dürfte oder um das Gewicht. Sie finden, dass die Männer primär sehen sollten, was für tolle Frauen sie sind, was für ein gutes Herz sie haben oder zum Beispiel wie belesen sie sind. Die Männer sehen das alles ja auch und schätzen diese Frauen als Menschen, nur sie fühlen sich oftmals rein optisch beziehungsweise sexuell gesehen nicht zu ihnen hingezogen. So werden zweifellos tolle aber leider übergewichtige Frauen zu ihrem grossen Leid teilweise ausschliesslich als gute Freundinnen und nette Kolleginnen gesehen. Manchmal verlieben sie Männer nach einer Weile in das gute Herz der Frau und sehen über ihr Übergewicht hinweg, jedoch passiert es mit Sicherheit nicht oft genug und nicht immer ist ausreichend Zeit vorhanden, um sich langsam in das Wesen einer Person zu verlieben: In der Bäckerei, im Club, in der Bar und an den meisten anderen öffentlichen Plätzen hat man nur ein paar Minuten Zeit, um die Aufmerksamkeit eines potentiellen Partners zu gewinnen. Und wenn man ein toller Mensch ist, optisch jedoch nicht punkten kann, dann hat man in einer solchen Situation leider verloren, weil wir alle – ganz unabhängig davon wie wir selbst aussehen und ob wir es wollen oder nicht – auf optische Reize reagieren und ihnen manchmal auch hoffnungslos ausgeliefert sind.

Der erste Eindruck, den man von einer Person bekommt, basiert nun mal darauf, was man zunächst sieht: ganz klar das Äußere. Genau so wie man es nicht ansprechend findet, wenn der Gegenüber zum Beispiel mit ungewaschenen Kleidern herumläuft, findet man es ebenfalls nicht schön, wenn der Gegenüber seinen Körper nicht „pflegt“ und sich im Hinblick auf sein Gewicht gehen lässt. Sicherlich werden viele Menschen behaupten, dass das Aussehen der Menschen in ihrer Umgebung für sie von absolut keiner Bedeutung ist. Kinder dagegen brauchen uns dieses Märchen nicht erzählen, weil sie ehrlich und direkt sind: Sie lieben es schöne und schlanke Menschen um sich zu haben, sie starren einen voller Bewunderung an und machen einem Komplimente, wenn man besonders schön angezogen oder geschminkt ist und machen leider auch darauf aufmerksam, wenn man stark zugenommen hat, müde aussieht oder – wie in dem Fall meines toten Vorderzahnes – einen „schwarzen Zahn“ hat 😉

Warum soll es wichtiger sein, stets ein sauberes Hemd zu tragen, als über einen gesunden Körperfettanteil zu verfügen? Versteht mich nicht falsch, es geht hier nicht um Size 0, sondern darum normalgewichtig zu sein, Sport zu treiben und sich gesund zu ernähren und dementsprechend auszusehen. Schliesslich ist unser Körper das Einzige in unserem Leben, was wir nicht austauschen können, wir sind darin bis zu unserem Tod gefangen und sollten vielleicht das Beste daraus machen. Die Tatsache, dass ich eine mikroskopische Oberweite habe kann ich nicht ändern, zumindest nicht mit den Mitteln, die ich aktuell für angemessen empfinde. Ich kann jedoch die Vorteile und Nachteile meines Körpers akzeptieren und alles tun, um es so gemütlich wie möglich in meinen fleischlichen vier Wänden zu haben, so lange wie es nur geht. Denn man ist natürlich nie vor Krankheiten sicher und es kann passieren, dass man eines Tages nicht mehr in der Lage ist, jeden Tag zum Sport zu rennen oder dass man aufgrund von einer Krankheit nicht mehr schlank sein kann… Dann ist das halt so, aber so lange das nicht der Fall ist, sollte man am Ball bleiben.

Es ist relativ leicht das alles aufzuschreiben, danach zu leben jedoch alles andere als das, und das sogar wenn es im Kopf bereits Klick gemacht hat, vor allem wenn man zu sehr auf andere hört.

Was mich stets sehr beeinflusst hatte, war die Tatsache, dass viele Männer nicht auf „skinny“ stehen. Das hat mich immer extrem verwirrt und ich war mir so oft auf ein mal nicht mehr sicher, ob ich abnehmen will oder nicht…dann hatte ich auch noch Angst, dass mein Hintern kleiner wird und meine Oberweite komplett verschwindet. Diese lästige Verwirrung hat oft dazu geführt, dass ich aufhörte Sport zu treiben, was natürlich nicht richtig war, denn egal ob man Gewicht verlieren möchte oder nicht, Sport lässt einen Körper jeden Umfangs sexy und straff aussehen. Ausserdem muss man sich primär selbst wohlfühlen und nicht nach den Vorgaben eines anderen Menschen leben, ganz egal wie viel dieser einem bedeutet.

Natürlich gibt es Männer, die ausschliesslich übergewichtige Frauen bevorzugen und gar keine sportliche Frau haben wollen. Klar, aber dann muss man sich – falls man in so einen Mann verliebt ist – fragen, ob man gegebenenfalls seine Gesundheit für einen solchen Mann opfern möchte und ob er nicht vielleicht doch die Güte besitzt, einen so zu akzeptieren und zu lieben, wie man ist und sein will.

Im „Normalfall“ – was ist schon normal?! – bevorzugt Mann und auch Frau jedoch einen gesunden, eher sportlichen, normalgewichtigen Partner. Witziger Weise finden die etwas übergewichtigeren meiner Freundinnen und Bekannten selbst keine Männer gut, die 120 Kilo wiegen. Nein, sie fühlen sich stattdessen zu sportlichen, breitschultrigen, schlanken Männern hingezogen. Seltsam, dass wir Frauen wenn wir selbst aktuell nicht in Form sind jedoch erwarten, dass Männer, die tagein tagaus hart an ihrer Fitness arbeiten, sich auf uns, die mit einer Tüte Chips und einer Dose Cola faul auf der Couch hocken, einlassen. Man muss man der Tatsache einfach ins Auge sehen: Rundum gepflegte Spitzenmänner wollen eine ebenbürtige Frau.

Nur mal ein kleiner Gedanke am Rande dieses „Romans“…
Wenn alle Superfrauen, die ein wenig zu viel Speck auf den Rippen hätten, sich in Form bringen würden, dann hätten alle oberflächlichen Schönheiten, die abgesehen von ihrem Aussehen nichts zu bieten haben, endlich nichts mehr zu melden, denn die Superfrauen, die sowohl Aussehen als auch Köpfchen zu bieten haben würden sie sofort in den Schatten stellen! So eine Welt würde mir gefallen.

Was ich schon immer befürchtet hatte und nun endlich und für immer begriffen habe: Übergewicht – vorausgesetzt man ist gesund und in der Lage abzunehmen – ist ein Mangel an Disziplin und Selbstrespekt, denn kein Mensch fühlt sich wohl wenn die Bauchrollen beim Sitzen stören, liebe Freunde, da brauchen wir uns nicht selbst belügen. Man denkt sich meist einfach nur, dass man nun einmal in dieser Situation gelandet ist und jetzt das Beste draus machen kann: Das Leben geniessen indem man ganz viele verschiedene leckere Dinge isst. Und das nennen wir dann „Leben“…

Viele Frauen reden sich ein, dass sie sich nur selbst lieben müssen, um dann auch von anderen geliebt zu werden. Klar muss man das und zwar egal in welcher Form man gerade ist. Jedoch kann man ehrlich zu sich selbst sein: Man liebt sich normalgewichtig bis schlank einfach mehr als übergewichtig, denn Fett verunstaltet jede Schönheit, so ist das leider nun mal. Ein paar kleine süße Rundungen, das mag schön sein, aber 72 bis 75 Kilo oder mehr wie in meinem Fall sind sogar aus ärztlicher Sicht einfach zu viel und nicht mehr schön. Ein etwas älterer aber sehr sportlicher und attraktiver Orthopäde meinte mal zu mir, während er mich untersuchte, dass ich deutlich Übergewicht habe und es loswerden soll – AUA!

So war ich viele Jahre ein „Pummelchen“ und wie alle anderen „Pummelchen“ auch versuchte ich stets neue Ausreden zu (er)finden, obwohl ich eigentlich genau wusste, was Sache war. Ich wusste, dass aufgrund von meinem kleinen Kiefer, sich in meinem hübschen feinen Gesicht ganz schnell ein Doppelkinn bildet. Auch wusste ich, dass mein Lächeln anders aussieht mit den dicken Bäckchen, auch wenn Männer mir immerzu sagten, dass das süß sei und mir stehe. Mir war bewusst, dass ich immer mit speziellen Strumpfhosen schummelte wenn ich ein Abendkleid anzog und trotzdem keine vernünftige Taille hatte. Mich nervte dieses Kneifen am Bauch und das ständige Runterrollen des Gummibandes zu Tode und auch das Einschneiden vom BH am Rücken: immer aufpassen, dass das Top nicht zu eng am Rücken ist, damit man den Speck am Rücken nicht sieht. Das leidige Berücksichtigen von pummeligen Armen beim Kleid- und Oberteilkauf – bloss nicht etwas kaufen, bei dem die Arme nicht bedeckt sind. Und auch bei Sport immer etwas längere Ärmel einplanen, damit man beim ungeplanten Blick in den Spiegel nicht demotiviert wird. In Bauchexpress-Kursen lockere Oberteile anziehen, damit man die Rollen am Bauch nicht sieht. Oder im Schwimmbad beim Sitzen das Handtuch um den Bauch schwingen. Im Bett mit dem Freund eher das Licht ausmachen und sich in kreativen Positionen unwohl fühlen. Auf Fotos den Arm anwinkeln und sich eher in den Hintergrund stellen und jedes Bild checken, damit man bloss nicht dick darauf ausschaut. Und und und.

Die 90 Tage Body Challenge bereitete meinem Leid ein Ende. Dazu in einem der nächsten Beiträge mehr!

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