Love, Personal Challenges, Relationship

„Liebe des Lebens“ 2010 – 2017 (Fakten, keine Interpretationen) — Part 2

Get the feeling: If I Ever Feel Better – Phoenix

Februar 2010

8 — Ein paar Wochen später hatte ich noch immer nicht aufgehört an J zu denken. Verzweifelt versuchte ich mit Hilfe meines Marketingwissens verrückte Eroberungspläne auszuhecken. Ich hatte gar keine Lust in Australien zu bleiben, es war unerträglich und kann mir absolut sinnlos vor, ich überlegte wann ich wohl frühstens zurückkönnte ohne wie ein Vollidiot dazustehen. Ich hatte mich immer noch getraut J auf Facebook als Freund hinzuzufügen, bisher hatte ich lediglich seine unendlichen zügellosen Fotos angeschaut und bin auch auf verliebte Pärchenschnappschüsse mit „Quadrat“ gestoßen, er hatte ihr sogar ein eigenes kleines Fotoalbum gewidmet. Es schien nicht all zu lange her gewesen zu sein. Wir waren beide wohl erst kurzfristig single. Irgendwann kam ich nicht mehr drumherum mit meinen zahlreichen Hostelmitbewohnern zu sprechen, vor allem in der Küche beim gemeinsamen Kochen konnte ich ihnen nicht entfliehen. Ein paar Franzosen sprachen mich an, wir kochten gemeinsam, aßen gemeinsam, gingen Party machen und wurden Freunde. Einer von ihnen hieß Ben, halber Franzose und halber Italiener, ich sprach Italienisch mit ihm und er verfiel mir von Anfang an völlig. Nach J war mir alles egal, im Vergleich zu J war Ben ein Witz, ein Witz mit einem sehr guten Herzen. Er war der Einzige in dem Hostel, der mir nicht egal war und ich konnte ihm vertrauen. Er war mittelmäßig hübsch, mittelgroß, unerfahren, hatte funkelnde Augen und rauchte viel zu viel.

9 — Plötzlich stellte es sich heraus, dass Ben und sein bester Kumpel vor hatten schon in ein paar Tagen mit einem 55-jährigen Mann aus Alaska runter nach Melbourne zu fahren, dieser wollte auf dem Weg seinen Sohn in Sydney einsammeln. Ich brauchte nicht lange nachzudenken und sagte, dass ich dabei sei. Der Weg war ein klasse Abenteuer, auf dem Ben und ich immer mehr Zeit mit einander verbrachten in Autos, in Zelten, am Lagerfeuer, an verlassenen Stränden. Ich hatte ein wenig Angst vor unserem seltsamen Freund aus Alaska und rückte immer näher an Ben, um bei ihm Schutz zu suchen. Irgendwann rückte ich nah genug ran, um zu spüren, dass in einem signifikanten Punkt er J doch das Wasser reichen konnte. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Jedes Mal als ich es mir nicht entgehen ließ waren meine Gedanken bei J.

10 — Als wir in Sydney ankamen war er in mich verliebt und ich endlich bereit J auf Facebook hinzuzufügen. Ben kannte die ganze Gesichte, natürlich konnte ich sogar bei ihm nicht aufhören davon zu reden, was ihn wohl ziemlich fertiggemacht haben musste. Ich ging ins Internetcafé und fügte ihn hinzu. Ich schrieb ihm eine ellenlange Nachricht, in der ich ihm ohne jeglichen Filter mitteilte wie ich mich gefühlt hatte, als er mich am Ende wie Luft behandelt hatte. Ich erwähnte den Brief und fragte ihn ob er ihn überhaupt gelesen habe. Er meinte, er würde meine Freundschaftsanfrage akzeptieren, aber ich solle nicht die Urlaubsfotos kommentieren, weil ein paar seiner Freunde wohl hofften, dass was in Thailand geschah auch in Thailand bliebe. Er meinte ebenfalls, dass ich „besessen“ sei — irgendwo hatte er damit wohl auch Recht. Ich fühlte mich erniedrigt und war verletzt und beschloss ihn erstmal in Ruhe zu lassen. Wie konnte ich ihm dermaßen hinterherrennen? Hatte ich gar keinen Stolz? War ich wahnsinnig geworden?

März 2010

11 — So schrieb ich J erstmal nicht mehr und konzentrierte mich auf meine Abenteuer und Ben. Nach ein paar Monaten zusammen schien es mir, dass nun Ben mehr und mehr besessen wurde, und zwar von mir! Wir lebten gemeinsam in Melbourne, wir kochten gemeinsam, kauften gemeinsam ein, schliefen mit einander und neben einander, wir schrieben uns Briefe, in den seinen versuchte mir zu erklären, dass wir zusammen gehören und in den meinen erklärte ich, warum ich mich auf keine Beziehung mit ihm einlassen konnte. Auch vor anderen Leuten und gemeinsamen Freunden weigerte ich mich stets ihn meinen „Freund“ zu nennen. Er wusste, dass mein Herz J gehörte und dieser Gedanke trieb ihn in den Wahnsinn. Ich liebte sein gutes Herz, aber hatte keinen Respekt vor ihm, seiner kindlichen unerfahrenen willkürlichen Art und seinem dramatischen Benehmen. Als irgendein Typ im Hostel sich eines Abends an mich ranmachte und versuchte mich zu küssen, verließ er fluchtartig den Gemeinschaftsraum. Als ich das Zimmer betrat schlief er schon, ich kletterte auf mein Hochbett und musste voller Entsetzen feststellen, dass auf meinem Kissen ein mit roter Tinte verfasster Brief befand und auf dem Brief ein riesiges Messer lag…im Brief beschrieb er, dass er so nicht mehr Leben wolle und dass er es nicht länger erträgt von mir dermaßen gequält zu werden. Soviel zum Thema Besessenheit…

12 — In der Nacht mit „Messer-Geschichte“ schlief ich in einem anderen Hostelzimmer bei Freunden. Am nächsten Tag stritten wir uns wie Wahnsinnige und ich meinte, dass das Ganze nun ein Ende haben müsse. Am Ende schluchzten wir beide, er entschuldigte sich und schwor, dass es nicht seine Absicht gewesen war, mir eine solche Angst einzujagen. Schlussendlich schlossen wir Frieden. Jedoch wusste von diesem Moment an, dass ich aufhören musste mit seinen Gefühlen zu spielen und ihn auszunutzen. Irgendwo hatte ich auch Gefühle für ihn, jedoch wusste ich ganz genau, dass er im „echten Leben“ niemals eine Chance bei mir gehabt hätte. Im Endeffekt flogen wir gemeinsam nach Perth, distanzierten uns jedoch mehr und mehr von einander. In der Zwischenzeit sprach ich ab und zu mit J. Versuchte dabei immer cool zu sein und keine Gefühle mehr zu zeigen. Nun fing er langsam an sich zu öffnen. Dennoch fühlte ich mich jedes Mal wenn ich mit ihm sprach nicht seiner würdig, ich betrachtete ihn als etwas Göttliches und schämte mich für mein nicht all zu brillantes Englisch. Heimlich hoffte ich darauf, dass ich vielleicht über London zurückfliegen könnte.

April 2010

13 — In Perth lernte ich interessanten Menschen kennen, mit denen ich ein sorgenfreies Leben genoss. Dennoch wurde mir mehr und mehr klar, dass dieses Hostelleben nichts für mich ist; ständig in ärmlichen Verhältnissen zu leben ohne jegliche Privatsphäre und dafür extrem viel zu bezahlen, sich für Jobs bewerben, die nichts mit dem was ich studiert habe zutun haben und mich in meiner Entwicklung nicht weiterbringen werden. Ben und ich verbrachten immer noch ab und an Zeit mit einander, auch wenn er mittlerweile in ein anderes Hostel gezogen war. Dieses „magische“ Gefühl, das J bei mir ausgelöst hatte, blieb jedoch weiterhin aus. Eines Abends beobachteten wir im Dunkeln zwei Delphine. Ich legte meinen Kopf auf seine Schulter und verstand, dass ich ihm unendlich dankbar dafür war, dass er für mich in dieser schweren Zeit dagewesen war und dafür, dass er etwas Besonderes in mir gesehen hatte. Ich verstand ebenfalls, dass es mir unendlich leid tat, mit seinen Gefühlen gespielt zu haben und ihn „ausgenutzt“ zu haben in der verzweifelten Sehnsucht nach J. Kurz darauf log ich J an, dass ich Australien nun verlassen und über London zurückfliegen würde. Daraufhin hörte ich nichts von ihm…er hatte meine Nachricht nicht gelesen. So buchte ich meinen Flug über Singapur und verabschiedete mich unter einem Meer von Tränen von Ben.

 

 

 

 

 

 

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Love

Unsere Nacht im Abgrund roter Blüten.

Get the feeling: Wonderwall – Katy McAllister

Plötzlich steht er aus dem Sand auf ohne seine Hose von ihm zu befreien und reicht mir zum Aufstehen seine ausgestreckte Hand mit den Worten „Komm mit mir“. Ich lasse mir von ihm helfen aufzustehen und lasse mich von seiner Hand von dem Strand in Richtung Ungewissheit führen. Wir betreten die Finsternis gemeinsam und ich spüre, wie blindes Vertrauen meine Brust erfüllt, ich bin ganz ruhig, im Gegensatz zu sonst möchte ich nicht sprechen, ich möchte einfach nur an seiner Seite sein. Ich sehe fast nichts, ich spüre nur diese Verbindung zu ihm und ich rieche seinen Duft, der Ozeanwind weht ihn zu mir. Mein Kopf ist leer, aber mein Herz lacht, auch wenn es nicht genau weiß weshalb. Er erzählt mir etwas, ich höre mit meinem Herzen zu und antworte ihm ohne zu wissen, was ich eigentlich sage. Wir wandeln durch die nächtliche Insel und so vergehen ungefähr zwei Stunden. Ich achte nicht auf die Straßen, Häuser und Bäume an denen wir vorbeilaufen, weiß nicht was unser Ziel ist und möchte dies auch nicht wissen. Ich fühle aber, dass ich mit ihm in dieser Nacht bis an das Ende der Welt gehen würde. Ich weiß sehr wohl, dass ich mit einem Mann unterwegs bin, den ich seit nur drei Tagen kenne und dass ich absolut nicht weiß wohin er mich führt. Trotzdem verspüre ich – eigentlich ein Mädchen übervorsichtiger Natur – keinerlei Angst oder Misstrauen diesem Fremden gegenüber und auch wenn ich mich absolut so fühle kann ich nach einem einzigen Cocktail unmöglich angetrunken sein. Dann muss ich diese Wirkung wohl ihm allein zuschreiben.

Gerade als ich mich an den kontinuierlichen Rhythmus unserer synchronen Schritte gewöhnt habe hält er plötzlich vor der hölzernen Tür eines kleinen Bungalows. Wie in Trance schaue mich um. Ich bemerke, dass wir uns inmitten einer mir unbekannten Bungalowanlage befinden. Auch jetzt wo ich mir ziemlich sicher sein kann, dass mich dieser Mann offensichtlich in sein Zimmer gebracht hat, verspüre ich keine Angst, auch denke ich nicht daran, dass er mich nur für eine Nacht ausnutzen will oder Ähnliches. Ich brauche ihm nicht zu sagen, dass ich kein Mädchen für eine Nacht bin, denn ich habe mich noch nie so wertvoll gefühlt wie in diesem Moment, so angekommen. Ich weiß, dass ich richtig hier bin, ganz gleich wo wir sind. Es reicht, dass ich bei ihm bin. Bevor er meine Hand loslässt küsst er meinen Handrücken sanft aber auf eine bestimme Weise fordernd. Mein Körper zuckt bei der Berührung seiner Lippen leicht zusammen, eine tiefe Wärme durchströmt mich. Er schließt die Tür hinter uns und macht Musik an. Das noch immer dunkle geheimnisvolle Zimmer wird nun von einer einzigartigen langsamen Live-Version von „Wonderwall“ erfüllt. Ich setze mich auf das Bett und sehe ihn auf mich zukommen. Ich denke an nichts anderes, er ist in diesem Moment das Einzige was zählt. Er bleibt vor mir stehen. Seinen intensiven Blick kann ich durch die Dunkelheit spüren. Er verunsichert mich sogar in der Dunkelheit. Ich lasse mich auf das Bett fallen und instinktiv kommt er über mich. Er zieht mich langsam aus, wobei er nicht auf die Kleidung oder meinen immer nackter werdenden Körper achtet, mein Gesicht bekommt seine volle Aufmerksamkeit. Nun spüre ich sein Gewicht auf meinem Körper, seine weiche Haut auf meiner. So merke ich überrascht, dass auch er schon entblößt ist. Ich vertraue ihm mit der Verhütung, um die er sich ganz selbstverständlich kümmert ohne mich zu fragen, ob ich mit ihm schlafen will. Ich frage mich ebenfalls nicht ob ich es will, denn noch nie war ich mir sicherer, dass ich einem Mann auf diese Weise nahe sein möchte. Dies merke ich an der unglaublichen Tatsache, dass ich seelenruhig vor ihm liege und alle mögliche Kontrolle in seine maskulinen Hände lege. Ich gebe mich ihm hin, voll und ganz. Ich spüre wie er in mich eindringt und stöhne erleichtert auf ­– wir sind eins. Ich falle in einen tiefen Abgrund voller roter Blüten und er fällt mit mir. Gemeinsam schweben wir irgendwo ganz weit von aller Realität. Wir sind eins, bewegen uns in gleichem Rhythmus. Er ist ein Mann, ein richtiger Mann, den ich unendlich begehre. Während ich mit ihm zusammen bin spüre ich die Sehnsucht und ein Gefühl, als könne ich niemals genug von ihm bekommen. In seinen sanften und gleichzeitig starken Händen zerschmelze ich und vergesse ausnahmslos alles um mich herum. Nur eins weiß ich: Ich bin mit ihm. Mehr muss ich nicht wissen. Er genießt es so sehr, das zu wissen und zu spüren erfüllt mich mit noch größerem Begehren. Es kommt mir vor, als wäre ich etwas, ohne das er nicht existieren kann. Ich atme seinen Duft immer wieder ein und fühle mich dabei wie benommen und merke irritiert, dass er dasselbe tut. Immer wieder flüstert er mir zu wie wunderschön ich bin und wie sehr er mich will. Ich kann nicht anders als ihm voll und ganz zu verfallen.

Mehrmals sind wir fertig, schauen uns in dem sich langsam im Raum ausbreitenden Morgengrauen tief in die Augen und beschließen ohne Worte nochmals von vorne zu beginnen. Immer wieder hält er mich fest in seinen Armen und küsst mich, verzaubert mich, treibt mich in den Wahnsinn. Nach dem dritten Mal liegen wir uns gegenüber und lächeln uns erschöpft an, während er zärtlich über mein Gesicht streicht – noch immer spielt „Wonderwall“ auf Repeat. Ich schaue in seine grünlichen Augen und weiß, dass ich diese Nacht nicht vergessen werde und dass es ihm genau so geht wie mir.

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General

Fallin’…? No no no!

Wir alle kennen wohl diesen ganz bestimmten Moment, in dem man plötzlich (in meinem Fall) mit Schrecken feststellt, dass eine Person, die man seit Längerem kennt und die man von Anfang an durchaus ansprechend aber nicht bildschön fand, auf ein Mal immer wunderschöner zu werden scheint. Meist tritt dieser Moment genau inmitten der heiligen Zeit als entspannter, sorgenfreier und hochbegehrter High Heels tragender Kuss-Schlampen-Single ein, noch deutlich vor der Phase, in der man sich sein Kissen umarmend in mehrere Kuscheldecken wickelt, um sich drei Liebesfilme und eine Jim and berry’s Familienpackung reinzuziehen, während man sich nichts sehnlicher wünscht, als dass der nicht existierende Partner mit einer Tasse heissen Tee in den Raum kommt, den nicht vorhandenen Kamin anheizt, einen in die starken Arme nimmt und auf die Stirn küsst. Während ich das hier als High Heels tragender Single so schreibe, bin ich der Kaminszene gar nicht mal so sehr abgeneigt, muss ich leider zugeben…STOP!

Zurück zu dem Moment des Schreckens, liebe Freunde…

Wir sind also gerade dabei, von dem besagten Moment überrollt zu werden. Da stehen wir relativ paralysiert vor dem besagten Mann und schauen ein wenig ZU AUFMERKSAM in seinem Gesicht herum. Uns fallen unerwartet die kleinsten Details in dem Antlitz unseres Gegenübers auf; die dunklen geheimnisvoll-verspielten Augen, die uns mal selbstbewusst und dann wieder leicht verunsichert anschauen und ab und an weggucken, als würden sie zu lange ins grelle Licht blicken, die etwas zu vollen geschwungenen Lippen, die obere ein wenig kleiner und dunkler als die in der Mitte leicht pinkfarbene untere, die im Gesicht minimal unreine auf den Armen jedoch samtweiche karibisch-schokoladige Haut, die süße kleine aber breite Nase, und und und…

Wir sind uns dessen absolut bewusst, dass es aus logischer Sicht eigentlich absolut unmöglich ist, dass sich das Aussehen einer Person für uns verändert während es unverändert bleibt. Dies bereitet uns Sorge, denn wir wissen was dahinter steckt, wir wissen es ganz genau: Wir sind ffff..verk…n….verkhhr…verk..naaaaalll…t. Gott bewahre!

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